Auch gut sozialisierte Hunde streiten sich!

 

Vor nicht all zu langer Zeit ging ich mit meiner Hündin einen Feldweg entlang…wir wollten etwas entspannen und die Natur genießen. Malu lief frei und erkundete die Umwelt. Plötzlich sah ich in der Ferne einen großen Hund auf uns zukommen. Augenscheinlich auch im Freilauf. Das Frauchen lief aber in seiner Nähe und ich hatte ein gutes Gefühl.

Ganz klar, als vorbildlicher Hundehalter rief ich Malu zu mir und leinte sie an und ging weiter.

Meine Hoffnung, dass das Frauchen das Gleiche tun würde zerschlug sich und ich rief ihr auf ca. 30 Metern zu, ob sie ihren Hund bitte anleinen würde. Wieso? …Rief sie zurück….ist ihr Hund denn nicht sozialisiert? Doch, meinte ich, aber meine Hündin streitet sich dennoch in manchen Situationen um manche Dinge, sie ist im Ganzen sehr unsicher und äußert dies hier und da, wenn’s brennt mit Aggressionsverhalten. Widerwillig rief sie ihren Hund und machte ihn an die Leine. Plötzlich fing sie an mir zu erklären, dass so ein Verhalten nicht auftreten würde, wenn eine gute Sozialisierung erfolgt wäre. Ihr Hund würde niemals irgend jemanden etwas tun, weil sie es gut gemacht hätte…das mit der Sozialisierung. So ihre Aussage. Ich sah, dass es eine sehr junge Hovawardhündin war nicht älter, als max. 1 Jahr. Sie war also entwicklungstechnisch noch gar nicht fertig. Schimpfend ging die Dame weiter und erklärte mir beim Vorbeigehen nochmalig, dass ich mir Hilfe holen sollte. Hunde müssen sich begrüßen dürfen!!! Ihr Lieben… natürlich habe ich nicht aufgeklärt, dass ich Trainerin bin und wusste, was ich tat.

Dennoch ging es mir nicht aus dem Kopf… die Menschen glauben tatsächlich, dass ein gut sozialisierter Hund niemals Konflikte mit Artgenossen hat! Das ist nicht so!!!! Was bedeutet Sozialisierung? Es bedeutet, dass der Hund gut kommunizieren kann… sich also körpersprachlich, manchmal auch akustisch äußern kann und verstanden wird und wiederum den Gegenüber gut verstehen kann. Das Ergebnis ist also nicht in jeder Situation immer nett zu sein, was im Übrigen kein gesundes Verhalten wäre. Es geht darum, dass Hunde lernen angemessen in allen Lebenslagen zu reagieren. Hunde kündigen ihre Handlungen an, sie äußern sich manchmal für das menschliche Auge nur minimal und ein gut geschultes Auge erkennt diese kleinen Signale und ein gut sozialisierter Hund eben auch. Es heißt aber dennoch nicht, das so ein Hund niemals Aggressionen zeigen würde, denn Aggressionsverhalten ist auch nur Kommunikation…es muss nur angemessen sein! Was angemessen ist, darf tatsächlich nicht zu menschlich moralisch gesehen werden, denn eine Moralvorstellung hat ein Hund nicht. Sie interagieren aus rein egoistisches Gründen … passen also auf, dass es ihnen gut geht und keine Ressourcen verloren gehen oder aus Selbstschutzzwecken. Im Zweifel wird also auch ein gut sozialisierter Hund beißen, sogar ungehemmt, wenn er glaubt, dass sein Leben in Gefahr ist.

Wenn man dies nun auf den Menschen umlegt, was tut nun ein gut sozialisierter Mensch in Gefahrensituationen? Lässt er sich alles wegnehmen und sagt dann Bitteschön oder lässt er sich schlagen und sagt Dankeschön? Denn wenn er das tun würde wäre sein Verhalten ebenfalls nicht angemessen und gesund und würde für Kopfschütteln in unserer Gesellschaft sorgen. Dann sollte man bitte auch nicht glauben, dass Hunde alles tolerieren und immer nett sind, nur weil wir sie gut sozialisiert haben.
Daniela Krüger

 

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