Warum ist die Welpenschule so wichtig?

Wenn der Welpe sein neues zuhause bezieht, befindet sich der kleine Hund in der sogenannten sozial sensiblen Phase. Diese Phase ist von Hunderasse zu Hunderasse in unterschiedlicher Länge ausgeprägt. Man kann pauschal sagen, dass sich ein Welpe in der Regel zwischen der 3. und 20. Lebenswoche in dieser Phase befindet.

Dieser Lebensabschnitt nimmt eine ganz entscheidende Rolle im Leben des Hundes ein, denn während dieser Zeit finden nicht nur die körperlichen Entwicklungen statt, sondern vor allen Dingen auch die Gewöhnung an die belebte Umwelt die sogenannte Sozialisierung und an die unbelebte Umwelt welches die Habituation darstellt. Die hier gemachten Erfahrungen beeinflussen im Wesentlichen die Entwicklung, sowie das spätere Verhalten des Hundes signifikant.

Daher muss zwingend ein besonderes Augenmerk auf diese so wichtige Phase gelegen werden.

Grundsätzlich sollte man wissen: Keine Erfahrungen sind ebenso nachteilig, wie schlechte Erfahrungen!

Der Welpe wird nur dann zu einem sicheren erwachsen Hund heranreifen, wenn wir Menschen ihm in der sozial sensiblen Phase genügend positive Erfahrungen verschaffen.

Wenn ein kleiner Vierbeiner keine positiven Begegnungen mit seiner Umwelt machen kann, wird der Hund im Pubertätsalter, jedoch spätestens im Erwachsenenalter allem Unbekannten mit Unsicherheit oder Angst begegnen.

Aus Angst wird dann sehr schnell eine erlernte Aggression, hierfür braucht der Vierbeiner nur wenige Wiederholungen, um zu lernen, dass man sich mit Aggression die angsteinflößenden Dinge vom Leib halten kann. Das Ergebnis sind aggressive Verhaltensweisen, die vom Halter später nicht mehr nachvollzogen werden können, da der Hund ja nie schlechte Erfahrungen z. B. anderen Hunden gemacht hat.

 

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer….der Vierbeiner hat in der sozial sensiblen Phase keine ausreichenden Erfahrungen sammeln können, um sich mit seiner Umwelt positiv auseinanderzusetzen.

Jeder Hund braucht unbedingt in seinem kindlichen Lebensabschnitt vielseitige Kontakte zu Artgenossen in seinem Alter und wo sonst, als in einer gut geführten Welpenstunde, kann er diese Erfahrungen sammeln?

 

Eine wirklich gute Welpenstunde erkennt man daran, dass ausschließlich Hunde im Lebensabschnitt der sozial sensiblen Phase, sprich unter 20 Wochen, daran teilnehmen. Weiterhin wird durch den Trainer darauf geachtet, dass kein Welpe von seinen Artgenossen permanent überfordert wird.

Viele Halter freuen sich über das angeregte Fangenspielen oder die Balgereien auf dem Boden und bemerken gar nicht, dass es immer der gleiche Welpe ist, der von den anderen übermannt wird. Ein gesundes Spielen wechselt sich ständig ab zwischen jagen und gejagt werden. Es ist zwingend erforderlich darauf zu achten, da aus einem vermeintlichen Spiel sehr schnell Mobbing werden kann. Ja, auch in der Welt der Hunde gibt es tatsächlich Mobbing innerhalb einer Gruppe. Das Ergebnis eines gemobbten Welpen in der Welpenstunde ist nicht etwa die erstrebte Sozialisierung, sondern eine anzunehmende Traumatisierung, welche den erwachsenen Hund später im Zusammenhang mit Artgenossen nicht adäquat reagieren lässt.

Auch die Differenzierung zwischen sehr kleinen und großen Rassen ist sehr sinnvoll, ein Chihuahua  ist mit der Spielweise eines Deutsch Kurzhaar definitiv überfordert. Spätestens mit 14 Wochen interagieren die Großen physisch viel zu grob für die sehr kleinen Rassen. Dennoch sind auch Hundebegegnungen mit unterschiedlichen Körpergrößen für die Sozialisierung unbedingt wichtig, im Spiel ist jedoch eine Überforderung der ganz kleinen Rassen schnell gegeben und muss immer sorgsam überwacht werden. Das Pfoteauflegen einer Dogge, wenn auch im Welpenbereich spielerisch gemeint,  kann für einen Chinesischen Schopfhund im gleichen Alter durchaus gefährlich werden.

Die 1. Welpenstunde ist für viele Hunde oft mit Unsicherheit und manchmal sogar mit Angst verbunden. Das kleine Fellbündel sitzt zusammengekauert auf dem Boden und versucht sich zu verkriechen, während die anderen fröhlich und angeregt spielen. Hier ist es sehr wichtig, dass die verunsicherten Halter auf gar keinen Fall auf ihren kleinen Schützling bedauernd einreden, ihn streicheln oder sogar auf den Arm nehmen. Was passiert nämlich im Köpfchen des kleinen Hundes? Der Welpe nimmt die Stimmung seines Menschen wahr und kennt den Zuspruch bereits sehr genau, wenn er etwas richtig macht. Der Welpe versteht: Ja,  prima machst du das mit dem Angsthaben! Weiterhin spürt er natürlich die Unsicherheit seines Menschen sehr genau und fühlt sich nur noch mehr bestätig. Das Ergebnis: Die negative Stimmung des Welpen erhöht sich zunehmend und mit jedem Mal wird er sicherer, dass Artgenossen ziemlich gefährlich sein müssen.

 

Das korrekte Verhalten von Frauchen/Herrchen wäre ein souveränes Auftreten gegenüber ihres kleinen Hundes. Der kleine Welpe lernt also: Mein Mensch hat die Situation unter Kontrolle, ich brauche keine Angst zu haben, alles ist gut! Das stärkt das Band zwischen Mensch und Hund und macht den Welpen nur sicherer, dass sein Halter schwierige Situationen gut kontrollieren kann und einen Plan hat.

 

Schon beim 2. Treffen, jedoch spätestens beim 3. wird der kleine Schützling gelernt haben, dass das Sozialspiel mit den Artgenossen sehr viel Spaß macht und wird sich ins Getümmel stürzen. Der Welpe lernt mit jeder Welpenspielstunde mehr und mehr über die Kommunikation und das Ausdrucksverhalten seiner Art. Jeder Welpe kann bereits nach ca. 8 Wochen auf Grund seiner Genetik alle Anzeichen des körperlichen Ausdrucksverhaltens zeigen. Sie können alle knurren, vermeiden, Unterwerfungsgesten zeigen, runzeln des Nasenrückens zeigen, bellen und Vieles mehr. Was jedoch kein Welpe von Natur aus kann, ist das Lesen dieser Körpersprache. Denn genau das muss er unbedingt in seinem Dasein als Welpe sicher lernen, damit es später nicht zu Missverständnissen kommt.

Er kann sehr viele Signale senden, aber die empfangenen Signale des Gegenübers noch nicht richtig deuten und einordnen. Diese jedoch erlernt der Kleine einzig und allein nur durch ausreichende Sozialkontakte mit Artgenossen. Er begreift beispielsweise, dass ein zu hartes Zubeißen im Spiel mit einem Abbruch der Spielsequenz einhergeht. Die Welpen interagieren im Sozialspiel und erlernen hierbei die sogenannte Beißhemmung.

Wenn ein Hund bis zum Abschluss des 5. Lebensmonats die Beißhemmung nicht beherrscht, wird er sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie erwerben. Ist keine Beißhemmung vorhanden, kann es bei späteren Auseinandersetzungen zu schweren Verletzungen kommen, da dieser Hund dann im Zweifelsfall ungehemmt zubeißt. Auch wir Menschen sollten die Beißhemmung bei unseren Welpen fördern, denn die gesetzten Grenzen von Artgenossen werden vom Welpen nicht automatisch auch auf den Menschen übertragen. Hierbei sollte auf die konsequente Abfolge Wert gelegt werden. Wenn der Welpe beim Sozialspiel mit dem Menschen seine spitzen Milchzähne gegen den Körper oder auch gegen die Kleidung einsetzt, wird das Spiel sofort mit einem kurzen „Autsch“ beendet und der Mensch ignoriert bewusst den kleinen Vierbeiner für einen kurzen Moment. Der Welpe lernt: beißen beendet das wunderbare Spiel und die Aufmerksamkeit der Bezugsperson wird entzogen. Die Folge ist ein kontrolliertes Beißverhalten, denn der Entzug der Bezugsperson ist für einen Welpen sehr dramatisch und er wird ihn deshalb in Zukunft unbedingt vermeiden.

 

Weiterhin wird der kleine Vierbeiner in einer gut geführten Welpenschule erste Grundsignale lernen. Er lernt zunächst spielerisch das Herankommen, dass Sitz …Popo auf den Boden bedeutet und dass ein Nein auch Nein heißt. Es ist überaus wichtig, dass wir diese Dinge auch schon im Welpenalter fördern. Wir dürfen unsere Welpen fordern, jedoch niemals überfordern. Das Leben im Welpenalter sollte nicht nur aus Spielen und Schlafen bestehen. Jetzt können wir schon vorsichtig beginnen den Weg, für einen gut erzogenen Hund an unserer Seite zu ebnen. Gerade in der Welpenphase der Entwicklung des Hundes erfolgt ein sehr schneller Lernvorgang mit stabilem Lernergebnissen.

Für die Erziehung unseres Hundes brauchen wir keine körperlichen Strafen, dennoch braucht auch ein jeder Hund Grenzen im Leben, da sich sonst unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln und verstärken können, die unsere Lebensqualität mit ihm negativ beeinflussen. Klare Grenzen bedeuten echte Stärke und diese hat es niemals nötig Schwäche auszunutzen und wird von unseren Hunden sehr hoch angerechnet.

Einige Welpen fangen oft schon recht früh an, das Futter vor dem Menschen zu verteidigen. Dieses ist ethologisch gesehen gesundes Hundeverhalten, dieser kleine Vertreter seiner Art macht genau das, was unter Hunden ganz normal ist. Es ist absolut legitim sein Futter zu verteidigen, auch in einem Hunderudel darf ein rangniedriges Tier sein Futter vor einem ranghohen Tier verteidigen. Wir müssen dem Welpen nur erklären, dass dieses Verhalten in unserer Menschenwelt nicht gewollt ist. Das Eingehen darauf mit einer körperlichen Strafe und der banalen Wegnahme des Futters, bedeutet für den Hund nur noch wachsamer zu sein, damit der Mensch ihm nichts streitig machen kann. Zukünftig wird er mit seinem nächsten Knochen vermutlich ganz schnell verschwinden und die Verteidigungssensoren noch etwas mehr anspitzten.

Wir müssen unserem Hund in diesem Kontext einfach nur klar machen, dass er niemals Sorge haben muss, dass wir ihm etwas streitig machen wollen. Er wird in einem gut geführten Welpenkurs lernen, dass ein „Aus“ nicht bedeutet, dass er nur etwas hergeben muss und keinen Ersatz bekommt. Nein, er bekommt für ein braves „Aus“ selbstverständlich noch etwas viel Besseres von seinem Frauchen/Herrchen. Wir generieren sozusagen ein Tauschgeschäft, auf das der kleine Hund, vorausgesetzt, es ist mit viel Ruhe trainiert, gerne eingehen wird. Der Hund wird das Signal „Aus“ nicht mit einem Meideverhalten entgegnen, was Übrigen niemals zuverlässig ist, sondern mit einem selbstverständlichem Fallenlassen, da er ja gelernt hat, das das Hergeben eine positive Bedeutung für ihn hat. Wenn man dies täglich für 2 Minuten übt, ist die Wegnahme eines heiß begehrten Knochens auch im Erwachsenalter immer möglich. Ich möchte jedoch hierbei erwähnen, dass wir bei diesem Training ganz genau schauen müssen, was für eine Hunderasse wir vor uns haben. Es gibt durchaus Rassen, da ist das „Aus“ sehr viel schwieriger zu trainieren, als bei anderen Rassen. Unmöglich ist es jedoch nie.

FAZIT für unsere kleinen Begleiter und ihren Haltern…eine Welpenschule mit entsprechenden Trainern, welche sich fachlich und moralisch auf dem neuesten Wissenstand befinden, ist in jedem Fall eine dringende Option. Denn nicht gemachte Fehler, werden später kein Problem und frühzeitig positiv gelernte Dinge führen zu einem zuverlässigen Verhalten.

1 Antwort
  1. Mara sagte:

    Ein wirklich sehr schöner Artikel. Mein Hund hatte als er klein war vor allem mit einem sehr geduldigen Rüden Kontakt, der sich von ihm eigentlich alles gefallen lassen hat. Das war für seine Entwicklung genau so wenig förderlich, wie es negative Erfahrungen mit anderen Welpen gewesen wären, finde ich. Bei meinem nächsten Welpen werde ich vieles anders machen, aber beim ersten Hund lernt man natürlich auch sehr viel, was man nicht unbedingt nachlesen kann.

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