Mein Hund geht jagen…was hilft schnell und sicher?

Der Hund hetzt einem Hasen hinterher und hört nicht mehr auf seinen Zweibeiner, er wirkt wie unerreichbar. Es macht den Eindruck, dass er noch nicht einmal mehr seinen Namen kennt. Ich kann Ihnen sagen, er weiß seinen Namen tatsächlich nicht mehr. Der Hund sieht nur noch ein Ziel –hinterher-. Die meisten Besitzer brüllen so laut es ihnen möglich ist hinterher, doch Struppi interessiert sich nur noch für den Hasen. Eine schrecklich Vorstellung für jeden Hundehalter und doch kommt es regelmäßig vor und begegnet mir im alltäglichen Umgang mit meinen Kunden als häufigstes und augenscheinlich unlösbares Problem. Mein Hund jagt, was kann ich nur tun?

Hat jeder Hund eine Jagdmotivation?Hund geht jagen

Es ist so, dass jeder Hund einen Jagdtrieb in sich trägt, auch der kleinste Gesellschaftshund hat ihn. Man muss nur unterscheiden, wie stark dieser ausgeprägt ist. Wenn Hunde bereits ein oder mehrere Male den jagdlichen Erfolg spüren konnten, wird ihn von der nächsten Jagt-Aktion ohne Training,  kaum etwas abhalten. Jagen ist für einen Hund das großartigste Gefühl, was ihn überkommen kann, es gibt also nichts Besseres, wofür ein Hund das Jagen sein lassen würde. In den meisten Fällen noch nicht einmal eine läufige Hündin und das mag was heißen. Diese Sachlage zeichnet aus, wie schwierig es für uns Menschen sein wird, einen Hund, der das Jagen kennen und lieben gelernt hat, davon abzuhalten.

Stromhalsband die einzige Chance?

Ich habe einige Kollegen, die sind sich sicher, dass man einem Hund mit Jagderfolgen das Hinterherhetzen nur noch mit einem bestimmten Management abgewöhnen kann. Dieses Management ist ein Teletac-Gerät, dies ist ein Halsband was auf Knopfdruck einen Stromstoß an den Hundekörper abgibt. In Deutschland ist der Besitz eines solchen Halsbandes nicht unerlaubt, doch nutzen darf man es nicht. Auch Hundetrainern ist es ausdrücklich verboten, mit diesen Geräten zu arbeiten. Gut so, denn man bekommt es auch anders hin!

Erst letzte Woche erzählte mir eine Hundebesitzerin, dass sie beobachtet hatte, dass ein Mann mit seinem augenscheinlich absolut wohlerzogenen Riesenschnauzer ganz ohne Leine durch den Spazierwald ging und der Hund bei einem vorbeilaufendem Hasen keine Regung zeigte nur angespannt stehen blieb. Der Hund lief wie ein kleiner Soldat an seiner Seite, er schaute nicht rechts und nicht links. Diese Begegnung faszinierte meine Kundin sehr, sie konnte es gar nicht glauben, dass ein Hund quasi wie Ferngesteuert allen Reizen der Umwelt trotzen konnte und kein Interesse daran hatte. Sie sprach den Mann an und fragte nach, was er gemacht hatte, dass sein Hund so gut zu lenken war. Der Besitzer zeigte ihr eine kleine Fernbedienung und meinte, es würde nichts Besseres geben, als dieses Gerät. Der Hund sei nur durch ein Piepgeräusch so folgsam geworden. Früher hätte er alles und jedem hinterher gejagt, aber seitdem ihm sein Trainer dieses Gerät empfahl, würde der Hund von jetzt auf gleich nicht mehr jagen gehen.

Als ich das hörte, musste ich zunächst einmal tief durchatmen und nicht lange darüber nachdenken, dass der gedrückte Knopf höchstwahrscheinlich nicht der Piepknopf gewesen ist. Denn das funktioniert mit dem Piep ohne Training nicht….hierzu lasse ich mal die Gedanken eines Jeden freien Lauf.

Ist die Schleppleine, das Wundermittel?

Die modernen Hundeschulen und Trainer vermitteln die Schleppleine als sicheres Hilfsmittel gegen das Jagen. Diese Empfehlung gehe ich gerne mit, da gibt es nur eine riesige Schwachstelle.

Die Hundehalter setzen die Schleppleine einfach viel zu häufig falsch ein. In den Hundeschulen wird oft nicht eindringlich und korrekt erklärte, dass eine Schleppleine erst einmal trainiert werden muss, um ihren Zweck zu erfüllen.

Zwei allzu häufige Bilder begegnen mir im Alltag immer häufiger:

Zum einen sind es die Halter, die ihrem kleinen Hund gefühlte 30 Meter Schleppleine an den Körper binden und der kleine Hund mit einem zusätzlichen Leinen-Gewicht von geschätzten 5 Kilogramm durch die Gegend laufen muss. Zumal diese Halter sicher nur die besten Absichten hatten, der Kleine soll schließlich einen großen Radius zum Erkunden haben, dabei wird jedoch das Gewicht der Schleppleine oft übersehen. Insbesondere die Schleppleinen aus Stoff sind hier sehr kritisch zu betrachten. Werden diese Leinen nass  und saugen sich voll, erhöhen sie ihr Eigengewicht um ein Vielfachen. Das Ende vom Lied: der Hund bekommt u. U. Haltungsschäden und jeder Spaziergang wird zum Kraftakt für den Hund. Er lässt somit vll. das Jagen sein, aber Freude am gemeinsamen Ausflug hat er auch nicht mehr.

Dann gibt es da noch die Halter, die Ihren Hund die ganze Zeit über die Schleppleine ausnutzten lassen und stoppen den Vierbeiner immer erst mit dem Ende der Leine. Sie führen den Hund quasi wie an einer normalen Leine, nur mit einer größeren Distanz. Das heißt der halbwegs clevere Hund hat mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit sehr schnell raus, wie lang die Leine ist. Im Zweifelsfall weiß der Hund genau bis wohin Frauchen oder Herrchen noch Eingriff haben. Ich verspreche Ihnen, er wird es ausnutzen,  es ist klar, Hunde suchen unsere Lücken in der Erziehung und nutzen diese, wenn es ein Vorteil für sie verspicht und da gibt es diesen Vorteil, denn Jagen macht Spaß. Das Ende vom Lied ist es,  die Schleppleine verliert ihre Wirkung.

Wie geht das denn nun richtig mit der Schleppleine? Wie lang darf sie sein und aus welchem Material? Viele weitere Fragen stellen sich hierbei und es gibt erfahrungsgemäß eine Menge Antworten mit ganz unterschiedlichen Inhalt.

Eines ist jedoch sicher eine Stromhalsband ist keine Option und die Schleppleine…

Ich kann sagen eine Schleppleine ist eine sehr gute Möglichkeit und wir bekommen den Hund mit ihr sehr schön unter Signalkontrolle, jedoch falsch angewandt, ist sie keine dauerhafte Lösung. Wir müssen dem Hund zunächst beibringen, dass das Signal „Stopp“ oder „Warte“ immer eine Bedeutung hat, hierbei wird die Schleppleine eine sehr nützliche Hilfe sein und im Zweifelsfall ein sicheres Management. Doch ein gutes Schleppleinen-Training ist unumgänglich!!! Gute Hundeschulen bieten ein derartiges Training an und die Wirkung der Schleppleine wird erfolgreich sein!

Ihre Daniela Krüger

1 Antwort
  1. Heike Schmidt sagte:

    Hi Daniela, ich war vorige Woche im Kurs bei Dir mit meinem Tornado-Rüpel Spike ;-). Themen waren Auffrischung Grenzsetzung Flatterband, Orientierung, Schleppleine. Du erinnerst dich an meine zerquetschte Fingerkapsel. Ich glaube, das könnte von jetzt an der Vergangenheit angehören. Wir hatten drei Begegnungen: zwei Katzen, ein Reh. Jedesmal hat Spike zuverlässig angehalten und konnte ins Sitzen gebracht werden. Sogar das „Schau“ funktionierte. Die Katzen waren weit weg, das Reh wechselte etwa 20 m vor uns. Ich konnte Spike ohne Kampf weiter führen, er hängte sich auch nicht an die frische Fährte, die wir kreuzen mussten. Ich kam gar nicht in Versuchung, die Leine ins Kopfhalti zu schnallen, er blieb brav in meiner Nähe, nur am Harnesshalti. Ich bin begeistert. Meinem Hund gehts gut, und mir auch.
    Liebe Grüße, Heike und Spike

    Antworten

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